Blog
«Schwule Literatur«


Suchen
Ebooks
Frühjahr 2013

Herbst 2012

AutorInnen A - Z

Belletristik

Sachbuch / Wissenschaft

Comic / Ralf König / Kunst

Erotik / SM

Taschenbuch
Bibl. rosa Winkel

Ed.Waldschlösschen

Invertito

Queer Lectures
Verlag rosa Winkel
Download-Center






Der Männerschwarm Verlag
ist Mitglied im
Freundeskreis der
Kurt-Wolff-Stiftung


Männerschwarm Verlag

Home   Lesungen   Presse   Bestellungen   Verlagsportrait   Kontakt & Impressum   Buchladen 

Fabian Kaden

Das mit uns

Roman

Broschur

224 Seiten,
16,00 EUR (D)

ISBN: 978-3-86300-108-7



als Ebook im Epub-Format und als Kindle:
EUR 9,99

Pressestimmen

Der Autor

Leseprobe

 


Buch portofrei oder als Ebook bestellen bei www.gaybooks.de
 

"Wenn wir nicht frei sein können,
ist DAS MIT UNS einen Dreck wert"

Daniel und Martin heiraten, doch was bedeutet das für beiden ungleichen Freunde? Martin richtet die Wohnung gemütlich ein, hat eine Dachdeckerfirma übernommen und zahlt die Kredite ab. Daniel fürchtet nichts so sehr wie seine sexuelle Freiheit zu verlieren. Er kann die Geborgenheit bei Martin nur genießen, wenn sein Hunger auf Sex auch anderweitig gestillt wird.

Nachdem Fabian Kaden in seinen erotischen Romanen das Fest einer geradezu zügellosen Sexualität gefeiert hat, schafft er mit Daniel jetzt eine Figur im Übergang: Freiheit und Verantwortung, eigene Bedürfnisse und Rücksichtnahme, Geborgenheit und wilder Sex – wie kann man das unter einen Hut bringen, ohne sich selbst zu verbiegen, den Freund zu verletzen und allein dazustehen? Bleibt nur ein fauler Kompromiss? Daniel zieht zu Martins Bruder Samir, stößt seinen besten Freund Bambi vor den Kopf, geht auf den Strich und will immer auch noch Martin! So lotet der Autor einen Konflikt aus, den – so oder so – jedes schwule Leben kennt, wenn die Sturm- und Drangphase zuende geht und die eigene Werteskala sich unmerklich verändert.


Etwas ausführlicher:
In seinen erotischen Romanen hat Fabian Kaden beschrieben, wie sich junge Männer auf den Weg machen, um möglichst viele Spielarten der Sexualität kennen zu lernen. „Spielarten“ ist beinahe das falsche Wort, denn viele der sexuellen Experimente sind verdammt ernst gemeint und haben starke Auswirkungen auf die Persönlichkeit. Nach den drei Büchern Davids Sommer, Leonardos Reise und Murats Traum geht Kaden nun einen Schritt weiter und stellt sich die Frage, wie sich freie Sexualität mit Freundschaft und Liebe vereinbaren lässt.

Sein Held Daniel ist zweiundzwanzig Jahre alt, als er seinen zehn Jahre älteren Freund Martin heiratet. Martin hat gerade einen Handwerksbetrieb übernommen, für ihn steht das Arbeitsleben erst einmal im Vordergrund. Daniel dagegen denkt sich wahrscheinlich, arbeiten kann ich immer noch, jetzt will ich leben. Und das tut er dann auch.

Leben und Freiheit ist für Daniel gleichbedeutend mit Sex, viel Sex, andere Interessen und Themen kennt er nicht. Insofern geht es auch dann, wenn er sich mit seinem besten Freund Bambi trifft, immer nur um Sex. Offensichtlich will Daniel sich mit dieser sexuellen Leistungsschau etwas beweisen, wozu ihm keine anderen Ausdrucksmittel zur Verfügung stehen. Einschränkungen seiner Promiskuität kommen für ihn nicht in Frage, und so riskiert er auch bedenkenlos die Ehe mit Martin.

Außer Martin und Freund Bambi spielen Martins Halbbruder Samir und der siebzigjährige Niederländer Eric eine Rolle in diesem Beziehungskarussel. Erst dem alten Eric gegenüber kann Daniel sich öffnen und Schwäche zeigen. So gelingt es ihm schließlich, mit Martin einen Neuanfang zu versuchen.


Pressestimmen

Kaden gelingt, was bei Pornos mit Handlung noch nie funktioniert hat: Sex gleichberechtigt neben einer gewichtigen Geschichte stehen zu lassen. Der Roman zeigt außerordentlich vielschichtig, um was es in Beziehungen auch gehen kann: nämlich nicht bloß darum, ein gegenseitiges Regelwerk zu erstellen und sexuelle Treue zu üben. Das lässt sich alles prima planen, aber Vertrauen, Aufrichtigkeit und Liebe eben überhaupt nicht.
GAB

Wer glaubt, dass erotische Romane literarisch nichts zu bieten haben, wird vom mysteriösen Fabian Kaden stets eines besseren belehrt.
Siegessäule

Berührend. XTRA

... eine durchaus vergnügliche Geschichte der Irrungen und Wirrungen mit einem verblüffendem Ende. Ein flott geschriebener Berliner Homo-Heimatroman mit nicht nur einer Prise Sex.
CSD-Magazin

... ein Sittenbild über Liebe, Vertrauen und das Finden einer Definition von Beziehung und Werten.
Blu

Ein erotisches, unterhaltsames Buch, das perfekt als Urlaubslektüre geeignet ist.
Pride AT


Leseprobe

Wir trafen uns am Görlitzer Park im Kulturhaus zu Naked after Work. Draußen war es noch hell. Wir waren so ungefähr die ers­ten, hockten an der Bar und sondierten, wer nach uns kam und sich auszog. «Du stehst ganz schön unter Druck, mein Engel», stellte Bambi nüchtern fest.

«Die ganze Woche schon. Woran merkst du es?»

«Erlaube mal. Wie lange kennen wir uns jetzt?»

Andi hatte Dienst an der Bar. Er war ungefähr in Martins Alter, vielleicht schon etwas drüber. Von den Leuten, die hier arbeiteten, spielte Andi die beste Musik, und wir mochten seine entspannte Bestimmtheit. War er dicker geworden? Der tätowierte Tigger auf seiner linken Arschbacke wirkte neuerdings irgendwie aus der Form geraten. Andi war der einzige aus der Crew, der bei Naked auch selbst alles auszog. Er konnte sich das leisten. Jeder Gast schaute irgendwann stumm auf Andis schweres, dunkles Musterstück. Nackt zu arbeiten war außerdem mutig, denn zum Bardienst gehörte auch der Einlass. Ich hatte einmal beobachtet, wie Andi die Tür aufmachte und einem Rudel halbstarker Araber gegenüberstand. Ob es drinnen auch Weiber gäbe, erkundig­ten sie sich. Dabei wussten sie genau, was hier Nacht für Nacht abging. Andi stand vor ihnen in seiner samtenen Pracht und erklärte den Jungs seelenruhig, wo sie gerade geklingelt hatten.

«Bei euch alles schön?», fragte Andi, als wir uns zu ihm an den Tresen setzten.

«Nächste Frage», sagte ich.

«Länger nicht gesehen.»

Steilvorlage für Bambi. «Liegt es an mir? Das kleine Miststück hier kennt ja keine Treue. Hat sich abgewandt, tut jetzt häuslich. Stell dir vor, geheiratet hat das dumme Ding!» Bambi schluchzte auf und nahm einen Schluck von seinem Becks.

Andi sah mich überrascht an. «Geheiratet, echt?»

Ich zuckte mit den Achseln und war auf der Hut.

«Gratuliere!» Seine Hand kam über den Tresen. «Alles Gute!»

Wir schüttelten uns verlegen die Hände, und ich war erleichtert, als das Einlass-Lämpchen aufleuchtete und Andi zur Tür musste. Er ließ einen unscheinbaren Mann mit Stirnglatze und Aktenkoffer herein, der erst beim Ausziehen interessant wurde. Ich setzte ihn auf meine Liste.

«Und», fragte Bambi boshaft, «wie krüppelt die Ehe so?»

«Trockenes Wetter, lange hell», antwortete ich ausweichend. «Martin arbeitet viel, und die Übernahme des Betriebs macht ihm zu schaffen.»

«Verstehe.» Bambi sah mich aufmerksam an. Unvermittelt fragte er dann: «Und du, bist du glücklich?»

«Doch, schon.» Ich stöhnte genervt. «Was ist das überhaupt für ’ne Frage?» Keine Chance, Bambi etwas vorzumachen. Er kannte mich einfach zu gut.

«Martin ist das Beste, was einem passieren kann, oder?»

«Das ist wahr, und wir wissen es beide.»

«Also, das wäre die Antwort. Alles fein. Punkt.»

Bambi ließ von mir ab und gab Andi einen Klaps auf den Hintern, als er wieder zur Tür lief, um zu öffnen. Drei junge Touristen kamen im Gänsemarsch herein, Spanier oder Südamerikaner. «Ich spring mal auf ’nen Schlauch», flüsterte Bambi. Seine Schwäche für Latinos war direkt an seine Miau gekoppelt. Am liebsten mochte er sie gedrungen und haarig, stramme Schenkel, Fünftagebart. Ich schaute ihm hinterher, wie er geschmeidig nach hinten verschwand, und meine Blicke waren nicht die einzigen, die Bambi folgten.

Irgendwie hatte mich seine Fragerei verstimmt. Zweifelte er daran, dass es mir mit Martin gut ging? Missgönnte er mir mein behagliches Leben, meine Geborgenheit? Ich sah wieder sein ernstes, ein bisschen besorgtes Gesicht vor mir. Was war sein Problem? Bis jetzt hatte ich ihn eigentlich immer nur abfällig übers Heiraten reden hören und geglaubt, er habe damit gar nichts am Hut. Auf einmal dämmerte mir, dass vielleicht das Gegenteil stimmte! Mit sechzehn war ich in die Jugendwohngruppe gekommen, dort hatten wir uns getroffen. Damals war Bambi schon fast achtzehn gewesen und kurz darauf in seine erste eigene Wohnung gezogen, aber wir hatten Kontakt gehalten und waren Freunde geworden. Seither hatte Bambi zig Affären ge­habt – er zählte sie selber nicht mehr. Manche dauerten bloß eine Woche, die längste sogar fast zwei Monate; aber nichts hielt länger. Bambi schlug bei Männern ein wie eine Bombe. Es war nicht nur sein gutes Aussehen. Er hatte eine Aura! Legte er es drauf an, bekam er jeden. Sie wollten ihn, aber für die meisten war Bambi wohl einfach zu attraktiv. Seine Schönheit war auch ein Verhängnis. Die Männer fühlten sich neben ihm verunsichert. Fehlte ihnen der Mut, etwas Ernsthaftes mit ihm anzufangen? Sie misstrauten seiner Treue, das kam dazu. Solange die Männer nur mit ihm spielten, fühlten sie sich sicherer. Außerdem bekam er auf seinem Profil unentwegt Taschengeldangebote. «Das sind meine Schlitzaugen», sagte er resigniert. «Ich kann anstellen, was ich will, die Typen nehmen mich einfach nicht ernst.»

Ich hatte immer geglaubt, dass Bambi die Männer herablassend behandelte, weil er sie im Grunde seines Herzens verachtete. Nur um sie bei Laune zu halten, gab er sich hin und wieder anschmiegsam (… spiel noch mit deinem Essen!). Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass er vielleicht nur deshalb so kratzbürstig tat, weil er mit einer Sehnsucht lebte, die er nicht mal sich selber eingestand.

«Na, wie weit sind unsere argentinischen Bio-Steaks?» Bambi war zurück und legte mir den Arm um die Schulter, ohne die Touris aus den Augen zu lassen. Sie waren mit Ausziehen fertig und kamen an die Bar. Nackt zu sein, war ihnen sichtlich ungewohnt; sie überspielten ihre Scham mit lautem Reden. Der Kleinste hielt sich sogar die Hände vor, weil er einen Steifen hatte. Seine Kumpels lästerten. Er blickte mit rotem Kopf zu uns rüber und rettete sich auf einen Barhocker.

«Wie Maradona mit neunzehn!» Bambi leckte sich die Lippen. «Andi? Gib den Jungs nichts, was müde macht!»

Ich ging als erster nach unten, wo die Stirnglatze an der Wand lehnte. Wir standen eine Weile knutschend im Gang. Sein Schwanz war kurz und hart wie ein Stöckchen. (Hänsel und Gretel – die Hexe hätte auch ihren Spaß gehabt!) Er wollte, dass ich ihn ficke, und ich tat ihm den Gefallen, gleich dort, im Stehen. Er kam ziemlich schnell und bedankte sich. Ich mag es gern, wenn sich Fremde hinterher bedanken. Als es mir zum ersten Mal passierte, auf dem Klo einer Disco, hat es mich noch schockiert. Ich dachte: Spinnt der, war das für ihn gerade so ’ne Art Dienstleistung? Aber das ist lange her. Inzwischen weiß ich es zu schätzen. Beweist es nicht Stil und Sinn für die Realität?

«Und du?» Er strich fragend über meinen Schwanz.

Ich schüttelte den Kopf, und wir trennten uns mit einem flüchtigen Kuss.

 
 


© Männerschwarm 1999 - 2013 - Lange Reihe 102 - 20099 Hamburg
Kontakt/Webmaster: Detlef Grumbach