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Gran Canaria reloaded - Elvira lässt grüßen!
An einem Regentag in Berlin beschließen vier Männer, für zwei Wochen nach Gran Canaria zu reisen. Sebastian Castro ist dabei, und ob Strandapotheke, Café Wien oder Jumbo-Center, ob Sexrausch oder Beziehungsdrama - von den Dünen bis zur Liege am Pool beschreibt er den ganz normalen Urlaubswahnsinn, sehr komisch, sehr realistisch und ethnographisch besonders wertvoll.
Anfang der 1990er Jahre erschien mit Elvira auf Gran Canaria das Kultbuch dieser Urlaubsinsel. Sebastian Castro liefert nun die längst überfällige Fortsetzung. Der beigefügte Sprachführer versetzt den Reisenden zudem in die Lage, den Urlaubsschwarm in perfektem Spanisch zu fragen: "Möchtest Du mich in Detmold besuchen? - ¿Quieres tu visitarme en Detmold?"
... und wie es dazu kam:
Auf der Beerdigung von Elvira Klöppelschuh, der legendären Chronistin des schwulen Gran Canaria, beschließen Sebastian, Hasso, Dolo und Knackarsch Lex, gemeinsam zu einem Elvira-Gedächtnisurlaub aufzubrechen. Man einigt sich auf eine Woche Hotel, eine Woche Bungalow, und los geht's. Der Autor
Karaoke-Wettbewerb:
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"Unter Männern" beschreibt wunderbar lustig den ganz normalen Wahnsinn eben und das Urlaubsverhalten urbaner Homosexueller. Diese Viererbande mit ihrem Treiben sind liebenswerte Mitbürger, die zum unberechenbaren homo canarius mutieren. Bei aller rasanten Situationskomik kommen aber auch ernste Themen aufs Prosecco-Tablett: Homoehe, schwule Solidarität, Minderheitenprobleme, Ossi-Wessi-Beziehungen. Das Buch ist eine würdige Fortsetzung des Anfang der 1990er-Jahre erschienenen schwulen Kultbuchs "Elvira auf Gran Canaria" von Elvira Klöppelschuh, auch wenn es weniger aufgerüscht und tuckig daherkommt.
Egbert Hörmann, Du & Ich
Ob am Büffet, in den Dünen, in der Strandpromenade oder im Yumbo-Center - die Beziehungsdramen nehmen ihren Lauf und Sebastian ist ihr teilnehmender Protokollant. Hasso geht ficks dem geilen Nada in die (Touristen-) Falle, Dolo trifft ihre große Liebe beim Gay-Filmfest und Lex erlebt außerirdisch guten Sex in den Bergen ... Und dass natürlich auch Sebastian eine Begegnung mit Folgen hat, sei hier nur angedeutet.
Alles also wie gehabt: der ganz normale Urlaubswahnsinn, an dem Elvira ihre Freude hätte. Kleines Bonbon im Anhang: ein Homo-Sprachführer deutsch - spanisch, muy nützlich!
Rolf G. Klaiber in Leo
Das Drama in fünf Akten beleuchtet so ziemlich alles, was den Homo auf Reisen erwarten kann. Und das äußerst komisch!
Blu
Warum ist eigentlich keiner früher drauf gekommen? "Elvira auf Gran Canaria", das schwule Kultbuch aus den 90er Jahren, das sogar den Gay-Guide für die Insel ersetzen konnte, schrie doch geradezu nach einer Fortsetzung. Jetzt ist sie da. Der ganz normale Urlaubswahnsinn, an dem Elvira ihre Freude gehabt hätte. Kleines Bonbon im Anhang: ein Homosprachführer deutsch - spanisch, muy nützlich!
gab
Die Freunde schwadroffeln vor sich hin, lieben und leiden und treiben's in den Dünen. Der Trash, der Seite für Seite produziert wird, die Überzeichnung des ganz normalen schwulen Wahnsinns, ist mitunter amüsant, jedoch selten
brüllend komisch.
Stefan Mey in Männer
Sehr komisch, sehr realistisch und für alle Gran Canaria Fans besonders wertvoll.
Adam
Ein witziger, unterhaltsamer wie kritischer Bericht zum aktuellen Stand der Dinge auf der schwulen Trauminsel.
Peter Jobst in Pride
Schwuler Witz und Humor und perfekte Insider-Unterhaltung
Siegessäule
Als ich zum Frühstück runterkam, saßen Dolo und Lex schon am Tisch und diskutierten über das Wort queer. Oh Gooooott!, hab ich gedacht, schnell weg hier. Schnell zum Buffet. Obst, Joghurt und was Sättigendes. Als ich mich dann mit einer Ladung Rührei zu ihnen gehockt habe, haben sie mich kaum beachtet. Es war ja nicht anders zu erwarten gewesen. Lex hielt auch den Begriff queer für eine Erfindung des Kapitalismus.
"Die Vielfalt sexueller Spielarten zu akzeptieren ist nur ein Trick, um zu verhindern, dass sich einzelne Gruppen ernsthaft abgrenzen, eigene Werte schaffen und am Ende womöglich den Konsum verweigern", resümierte er grade. Dolos Haare standen wie gelackte Nadeln zu Berge und er tunkte langsam eine Croissant-Spitze in seinen Kaffee. Ich guckte mir Lex an und rührte dabei ein bisschen in meinem Rührei.
"Ihr sagt ja gar nix", sagte Lex.
"Ich träume noch", sagte ich.
Ich muss vielleicht an dieser Stelle anmerken, dass mir das Gerede von Lex ein bisschen krass vorkam, aber er war einfach eine geile Pratze. Und besonders scharf, wenn er sich so reinsteigerte. Vielleicht lag er ja gar nicht so falsch. Ich sah ihm in die Augen und dachte plötzlich was, was ich noch nie gedacht hatte. Denken macht sexy. Ja wirklich. Ich war selber überrascht.
"Wo ist denn Hasso?", fragte ich, um mal das Thema zu wechseln.
Lex lächelte und zuckte die Schultern. Dolo drehte seine Handflächen zum Himmel wie so eine indische Göttin und schlug die Augen nieder. Sollte wohl eine ironische Unschuldsgeste sein. Doch bevor ich sie richtig würdigen konnte, tauchte Hasso auf, winkte uns schon von der Tür zu und schwebte heran. Den Boden berührte er kaum, dafür umgab ihn eine Aura, wie sie Madonnen auf Ölschinken in Dorfkirchen manchmal haben. Das wunderte mich zwar, denn von göttlicher Jungfräulichkeit konnte bei Hasso ja wirklich nicht die Rede sein, aber wir alle konnten die Aura sehen.
"Hey", sagte Lex. Und dann noch mal: "Hey, hey!"
"Du leuchtest ja richtig!", stellte Dolo fest.
Um sich hinzusetzen, hatte Hasso keine Zeit. Aber er musste eine Sache doch mit Lex mal kurz besprechen. Das war er seiner guten Erziehung schuldig. Ob es Lex arg kujonieren würde, wenn er, Lex, das Bett im Hotelzimmer nachts benutze und er, Hasso, am Tage.
Ich aß weiter mechanisch mein Rührei. Diese Anfrage war nicht nur Ausdruck guter Erziehung, sondern auch ökonomischen Denkens. Eine Nutzungsoptimierung des Hotelbetts unter betriebswirtschaftlichen Kriterien sozusagen. Als Hasso seine Frage gestellt hatte, sahen wir drei auf Lex, dem tatsächlich für einen Moment die Worte fehlten.
"Okay", sagte er irgendwann. "Aber ich brauch noch ein paar Sachen für den Strand."
"Klar, kein Problem." Hassos Leuchten verstärkte sich zu einem gleißenden Strahlen. "Handtuch? Badehose? Ich bring's dir runter!"
Weil wir grade fertig waren mit dem Frühstück, begleiteten wir Hasso. Wir durchschritten die weiträumige Hotelhalle mit den ausladenden Sitzgruppen, umrundeten eine Reisegruppe und sahen uns suchend um.
"Wo ist denn nun dein Spanier?", fragte Dolo ungeduldig. Hasso verzog das Gesicht und duckte sich ein bisschen, als wolle er ein schlechtes Gewissen andeuten.
"Der ist schon oben", nuschelte er.
Er ging vor, nahm immer gleich zwei Stufen und wir mussten uns beeilen hinterherzukommen. Dann sperrte er die Tür auf, wir vier drängten alle gleichzeitig ins Zimmer. Und da lag er. Der müde Spanier. Auf dem Bett. Kissen im Rücken, ein Traum in Weiß.
"Wie Joan Crawford!", flüsterte es neben mir. Ich sah Dolo fragend an und er schüttelte nur den Kopf über meine Bildungslücken.
"Na, 1947, als sie zu krank war, den Oscar entgegenzunehmen! Da hat man ihn ihr doch ans Bett gebracht, erinnerst du dich nicht? Und rundherum standen Fotoreporter, so wie wir jetzt!"
Dolo zückte geistesgegenwärtig sein Foto-Handy und drückte ab.
Der Spanier hielt statt des Oscars einen Telefonhörer in der linken Hand, aus dem eine Stimme fordernd krächzte. Der entscheidende Unterschied zu Joan Crawford war allerdings, dass Joan Crawford zur Oscar-Übergabe nicht splitternackt die Beine gespreizt und mit ihrem Schwanz gespielt hatte.
Lex hat seine Sachen wortlos zusammengerafft und ist gegangen. Er hat sich an uns vorbeigedrängt und war schon zum Ende des Flurs unterwegs. Er ist ja eher so ein defensiver Typ. Also ging er, statt einen Schreikrampf zu kriegen, durch die Empfangshalle, raus auf die Straße und setzte sich gegenüber in die Buda Bar. Mit einem Buch. Er wollte einfach seine Ruhe haben, wie er mir später erklärte. Die Salsamucke war laut, aber das war gar nicht schlimm, denn umso stiller war es in Lex drin. Er nahm sein Buch und begann zu lesen.
Lex lebte wahrscheinlich seine weiblichen Anteile aus, indem er las. Er saß jedenfalls da und trank seinen Cocktail, guckte sich zwischendurch die Standard-Bar-Deko Typ Buddha 2.0 an und irgendwann hatte sogar die Salsa-CD ein Ende. Da war es plötzlich still, und nun konnte er auch dieses Hetero-Paar Ende zwanzig verstehen, das zwei Sitzgruppen weiter saß und Pläne für ein gemeinsames Leben schmiedete. Wohnung, Auto, Kinder und irgendwo zwischendrin Hund und Hochzeit. Das Übliche eben. Lex trank einen Orangensaft, ließ seinen Blick auf dem doch ganz hübschen Paar ruhen und lauschte ihrem Turtelgesang, bei dem allerdings zunehmend schrillere Töne einflossen. Das klassische Wer-A-sagt-muss-auch-B-sagen der energischen Braut stieß auf das klägliche Lied von der sexuellen Hörigkeit. Der Typ wurde bei all dem A und B immer kleinlauter und seine Hörigkeit immer bedauernswerter. Wie gesagt, das Übliche eigentlich. Grade noch dachte Lex: Wie gut, dass ich schwul bin!, als der Stenz über die Schulter seiner Freundin hinweg flehend zu ihm rüberguckte. Mehr als ein mitleidiges Lächeln konnte sich Lex allerdings nicht abringen. Das war aber wohl so mitleidig, dass dem Typen der Kragen platzte. Es gehört nicht viel dazu, sich die Gehirnwindungen vorzustellen, durch die dieses Lächeln von Lex sich seinen Weg bahnte.
‹Wenn ich so eine arme Sau bin, wie dein mitleidiger Blick mir grad sagt›, muss der Typ gedacht haben, ‹dann muss ich jetzt hier mal andere Saiten aufziehen.› Jedenfalls ist er aufgestanden, hat seiner Maus 'ne mittlere Szene gemacht und ist abgerauscht. Ohne noch mal zu Lex hinzusehen, versteht sich, sonst hätte man womöglich noch denken können, er habe die Show nur für Lex abgezogen. Die Tussi hat allerdings gespürt, was da abgegangen ist, hat sich umgeguckt und Lex einen Blick zugeworfen, der sich angefühlt hat, als ob man ihm eine Schüssel Eiswürfel hinten ins T-Shirt kippt. Lex ist es dabei so ungemütlich geworden, dass er gezahlt hat und gegangen ist. Ja, so kann es gehen, wenn es einem unter Schwulen zu schwul wird. Mal kalt duschen in der Heterowelt und schon ist man mit vielem versöhnt.
Jedenfalls kam Lex bald wieder zu uns zurück.
"Sebastian, Dolores", sagte Hasso und musste sich räuspern, denn wir standen noch immer in der Tür und stierten auf das Joan-Crawford-Arrangement. "Das ist Nada. Aber Sebastian und du, ihr kennt euch ja schon."
Nada legte den immer lauter schnarrenden Hörer auf, stellte das Spiel mit seinem Schwanz ein und lächelte.
"Buenos días", sagte er schließlich. Wir nickten und Hasso räusperte sich ein zweites Mal.
"Können wir noch etwas für euch tun?", fragte er rhetorisch und ergänzte sofort, ohne uns Zeit für irgendeine Antwort zu geben: "Na dann, buenas noches."
Mit hektischem Händezappeln drängte er uns wie Hühner aus dem Zimmer. Eine Art Futterneid, die Hasso da entwickelte, könnte man sagen. Kaum war die Tür hinter uns sanft ins Schloss gefallen und verriegelt, als Dolo auf dem Flur mit seinem Handy wedelte.
"Wir sind reich!", stammelte er aufgeregt.
Ich muss ihn ziemlich blöde angeguckt haben, denn er deutete auf meine Augen.
"Bist du blind? Nada! Nada? Klingelt's nicht bei dir? Das war Rafael Nadal! Und ich hab ihn hier im Handy."
"Dieser Tennisspieler?"
"Ja klar. Noch nie gesehen?"
"Ich guck seit Jahren kein Tennis mehr. Das Gestöhne macht mich immer ganz wuschig."
Dolo zog mich in unser Zimmer und drückte mit dem Hintern die Tür zu, während er das Bild im Handy aufrief.
"Der zieht sich ja gern aus. Seinen nackten Arsch hab ich schon mal im Internet gesehen, aber von vorn, das ist der Knüller."
Dolo ließ mir keine Ruhe.
"Du wirst schon sehen, Sweetheart", sagte er immer wieder. "Du wirst schon sehen."
Als Lex ins Zimmer kam, ging die Hysterie von vorne los. Aber Lex zuckte nur mit den Schultern.
"Wurde ja auch Zeit, dass sich mal ein Sportler outet", sagte er nur.
"Wieso outet?", fragte ich.
"Also, was soll das denn sonst sein? Vor den Augen von Dolores mit dem Schwanz zu spielen und sich dabei knipsen zu lassen, das ist glaubwürdiger als jedes Outing."
Ich war mir nicht sicher, denn Dolores war ja nicht mit drauf auf dem Bild, aber ich wollte auch nicht weiter rumdebattieren. Am Ende wär Lex womöglich wieder politisch geworden. Und ich wollte unbedingt mal einen Tag ohne weitere soziokulturelle Eskapaden.
"Gehen wir an den Strand?"
Ich stellte die Frage mal so in den Raum, aber es kam nur ein arg interpretationsbedürftiges Gebrummel zurück. Davon würde ich mich jedenfalls nicht hinhalten lassen, dachte ich und schnürte mein Bündel.
"Also, ich geh jetzt", sagte ich und fixierte Dolores.
"Und dein Sonnenbrand?"
"Den nehm ich mit."
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